Von Agadir zu den Les Peintures

Agadir, Tan-Tan, Foum Agoutir, Tafraoute

Agadir wurde am 29.02.1960 – also vor fast genau 48 Jahren – von einem kurzen Erdbeben nahezu vollständig zerstört. 15.000 Bewohner verloren damals ihr Leben – fast 1/3 der Einwohner.

Die Stadt wurde komplett wieder aufgebaut und ist heute sowohl beliebter Bade- und Touristenort, als auch eine wichtige Hafen- und Industriestadt. Vermutlich ist es dieser Neuanfang der Agadir eher wie eine europäische Stadt erscheinen lässt.

Wir besichtigen die auf einem über 230 m hohen Hügel liegende Kasbah, eine der wenigen erhaltenen Sehenswürdigkeiten, mit weitem Blick über die Hafenanlagen, die Bucht mit dem langen Sandstrand und die Stadt.

Danach geht es auf der mehrspurigen Hauptstrasse mitten durch die Stadt, vorbei am Königspalast immer geradeaus zum Marjane Supermarkt, der südlich vom Zentrum etwas außerhalb an der Hauptstrasse liegt.

Nach dem Auffüllen unserer Vorräte fahren wir auf der N1 südlich nach Tiznit, in die für ihren schönen Silberschmuck bekannte Provinzhauptstadt.

Gegenüber dem Campingplatz übernachten wir auf dem Parkplatz beim Supermarkt. Hier ist der Empfang eines offenen WLANs direkt im Fahrzeug möglich. Unseren Rundgang durch die in typischem Wüstenstil erbaute Altstadt beginnen wir am Bab Oulad Jarrar, einem der sechs Tore, welches uns in der Nähe unseres Übernachtungsplatzes durch die hohe Stadtmauer führt.

Man(n) kann hier die Ausdauer der Frau(en) bewundern, die nach dem 30sten Schmuckgeschäft mit nahezu identischer Auslage, auch noch das Schaufenster des 31sten Geschäfts genauestens studieren müssen.

Zweifellos werden hier handwerklich hervorragend gefertigte Schmuckstücke angeboten.

Gemütlich steuern wir am nächsten Morgen über Aglou-Plage an der schönen Küste entlang auf Sidi Ifni zu.

Etwa 10 km vor Sidi Ifni, gegenüber eines kleinen Campingplatzes, zweigt rechts eine Piste zur nahen Küste ab. Wir parken oben auf dem Felsen und gehen unten am herrlichen Sandstrand nach links – sozusagen südlich in Richtung Sidi Ifni. Vielleicht 1-2 km später erreichen wir zwei gigantische, von der Natur geformte Felsentore, die uns sehr an den Arches NP/USA erinnern.

Nach dem ausgiebigen Strandspaziergang geht es weiter in die ehemalige spanische Enklave Sidi Ifni, die im Jahre 1969 wieder an Marokko zurück fiel.

Wir übernachten auf dem einfachen CP El Barco direkt an der Mauer zum langen Sandstrand. Auf dem Platz vor dem Tor zum CP kann man ein offenes WLAN empfangen.

Ein Spaziergang am Sandstrand führt uns nördlich an interessante Felsformationen der Steilküste und an Felsen, die von dieser abgebrochen sind.

Die Felsen schimmern in allen erdenklichen Farben, insbesondere in Rot- und Brauntönen aller Nuancen. Den kurzweiligen Weg kann man nur bei Ebbe gehen.

Von Sidi Ifni fahren wir auf der N12 durch eine kontrastreiche Berglandschaft nach Guelmim, dem Tor zur Sahara. Auf der wenig befahrenen Straße kommt uns die erste Herde »Wüstenschiffe« entgegen.

Wir halten an, um die Tiere sicher passieren zu lassen und um das Schauspiel selbst genießen zu können.

In Guelmim zeigt das Navi an einer Kreuzung, dass wir rechts müssen.

Wir misstrauen dem Navi, da weder ein Verkehrsschild zu sehen ist, noch die Straße nach rechts wie die Hauptstraße »nach Afrika« aussieht und etwas weiter vorne ein Kreisverkehr zu sehen ist.

Der Kreisverkehr bringt kaum weitere Erkenntnisse in Form von brauchbaren Wegweisern, so dass wir anhalten.

Wir stehen noch nicht richtig, spricht uns ein älterer Marokkaner in Deutsch an: »Wo wollt ihr hin?«. Wie sich herausstellt, hat er 17 Jahre in Deutschland gelebt und bei einer Supermarktkette als Fahrer gearbeitet, ist jetzt Rentner und verkauft gebrauchte PKWs aus Frankreich und Spanien nach Mauretanien und Mali.

Er besteht darauf, uns als Beifahrer auf einem Moped den Weg nach Tan-Tan zu zeigen (das Navi hatte recht). An einer Stelle, als ihm die weitere Strecke eindeutig erscheint, halten wir nochmals für ein Gespräch an. In perfektem Deutsch gibt er uns Infos über die Gegend und die weitere Strecke nach Dakhla. Er selbst lehnt ein Trinkgeld ab, bittet aber für den Mopedfahrer um ein Bier – sozusagen Sprit gegen Sprit.

Nun sind wir durch eine immer trockener werdende Wüstensteppe nach Tan-Tan unterwegs.

Zeitweise kommen uns fast nur noch Geländewagen mit hochgelegter Luftansaugung und einzelne schwere LKWs entgegen.

In den Geländewagen, die oft kleine Konvois bilden, sitzen meist vermummte Gestalten mit schwarzen Turbanen. Vermutlich transportieren die Männer ihre Waren in die Stadt

Nach interessanter Fahrt erreichen wir Tan-Tan. Die sich über der N1 »küssenden« Dromedare am Stadteingang wurden leider bei einem Unwetter zerstört und durch neue ersetzt, die eher unspektakulär rechts und links der Strasse stehen.

Tan-Tan liegt am nordwestlichen Sahararand und hier begann am 6.Nov. 1975 der Grüne Marsch (Marche Verte) zur Befreiung der Westsahara.

Wir werden an der ersten Polizeikontrolle angehalten seit wir in Marokko sind.

Vermutlich ist es nur Neugierde, denn der freundliche Polizist will nicht einmal unsere Papiere sehen, nur ein kurzes und nettes Gespräch, woher wir kommen und wohin wir fahren.

Also geht es weiter über El Ouatia (ehemals Tan-Tan-Plage) entlang der Küste auf Sidi Akhfennir zu. In der trockenen Umgebung überqueren wir mehrere Oueds (Flussbetten), die in herrlicher Landschaft in den Atlantik münden.

Mitten im Nichts kommen wir überraschend an die erste »verschärfte« Polizeikontrolle aufgrund der Nähe zur Westsahara, bei der wir unsere »Fiches de renseignement« abgeben. Dabei handelt es sich um ein Formular in das persönliche Daten eingetragen werden.

Wir haben ein Formular mit den gleichbleibenden Daten ausgefüllt, mehrmals kopiert und tragen bei Bedarf die sich ändernden Daten (Startort/Zielort) in eine der Kopien ein, die wir dann dem Polizisten übergeben.

Ohne ein ausgefülltes Formular muss man die Pässe abgeben und der Polizist notiert die relevanten Daten. Die »Fiches« ersparen einem Wartezeit und den Polizisten Schreibarbeit.

Ein paar Meter nach der Polizeikontrolle rollen wir mit fast leeren Tanks an die ersten Tankstellen mit dem günstigen Westsahara-Diesel.

Wir tanken an einer Tankstelle, an der mehrere einheimische LKW-Fahrer tanken und zahlen umgerechnet 0,398 EUR pro Liter. Natürlich tanken wir voll.

Seit El Ouatia sind wir jetzt ca. 100 km durch Wüstenlandschaft gefahren und erreichen den ersten Ort Sidi Akhfennir.

Hier müssen wir beim Militär die Genehmigung zum Übernachten an der Lagune (Foum Agoutir) einholen. Wir erfahren vom freundlichen Militärchef, den wir beim Mittagsschlaf stören, dass der Sekretär bis 15:00 Mittagspause hat. Um ca. 16:00 ist er dann endlich da und erteilt uns die handschriftliche, formlose Genehmigung.

Die Genehmigung erhält man am nördlichen Ortseingang auf der rechten Seite vor der Brücke. Hier stehen mehrere Gebäude mit marokkanischen Nationalflaggen. In dem rechten hinteren Gebäude (Funkmast) findet man gleich nach dem Eingang links das Büro des Sekretärs.

Schon die Fahrt zu der 22 km südlich von Sidi Akhfennir gelegenen Lagune ist wunderschön. Wir sehen goldgelbe Sanddünen unter blauem Himmel in der Ferne leuchten.

Die hohen Sanddünen bilden eine natürliche Barriere zum Atlantik.

Meerwasser kann jedoch hinter die Sanddünen fließen und so hat sich eine ca. 20 km lange grüne Lagune gebildet, die mit einer für diese Wüstengegend reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt aufwarten kann.

Im gesamten Naturpark Khnifiss gibt es viele verschiedene Vogelarten (z.B. Flamingos), Muscheln, Krustentiere, zahlreiche Fischarten, Schlangen (Nordafrikanische Kobra), Geckos, Chamäleons, Skorpione, Schildkröten, Wüstenfüchse, u.v.a.m.

Der Naturschutzbeauftragte an der Lagune kann anhand einer Broschüre die ganze Tierwelt des Parks aufzeigen.

Wir übernachten auf der Steilküste ca. 10 m über der Lagune und sehen über die Lagune hinweg auf die Sanddünen und den Atlantik.

Man kann nicht beschreiben, welchen schönen Ort die Natur hier geschaffen hat. Die leuchtenden Farben und die starken Kontraste, die sich im Tagesverlauf ändern, können von Fotografien nur unzureichend wiedergegeben werden.

An der Lagune wird es immer windiger, die Luft wird diesig und die Temperaturen steigen innerhalb weniger Stunden um etwa 10°C. Ein Wetterumschwung kündigt sich an, weshalb wir einen Tag früher wieder nach Tan-Tan zurück fahren. Der Wind wird heftiger, unterwegs treffen wir auf Sandverwehungen und die Luft färbt sich gelb – ein kleiner Sandsturm.

Heute wollen wir im Ksar Tafnidilt nördlich von Tan-Tan übernachten. Eine Piste, die am Oued Drâa abzweigt, führt uns die ca. 6 km zu Ksar Tafnidilt, unweit eines alten Forts.

Über Guelmim und Sidi-Ifni fahren wir nach Tiznit zurück, von wo die Straße nach Tafraoute im Anti-Atlas abzweigt.

Die Schleife über Tafraoute haben wir bewusst auf den Rückweg gelegt, da man in dieser Richtung auf den schmalen, meist ungesicherten Bergstrassen vorwiegend an der Bergseite fährt.

Mit atemberaubenden Ausblicken in einer zauberhaften Bergwelt geht es nach Tafraoute. Die beginnende Mandelblüte und die vielen einzelnen Arganien unterstreichen die karge Schönheit der Landschaft.

Die Bergwelt um Tafraoute zählt zu den reicheren Gegenden Marokkos, da von hier in ganz Marokko tätige Kaufleute und Unternehmer abstammen. Wir übernachten in einem Palmenhain umgeben von großartiger Bergkulisse.

Um die Les Peintures zu erreichen, müssen wir einige Kilometer nach Aguard Oudad rechts ab, auf eine gute Piste. Der belgische Künstler Jean Vérame hat hier in der absoluten Einsamkeit ein Kunstwerk geschaffen, indem er Felsen im Einklang mit der Umgebung in verschiedenen Farben bemalte.

Leider verblassen die Farben schon. Wir fahren auf der Piste weiter, die uns auf die Straße nach Tahala führt, von wo aus wir das wunderhübsche Tal der Ammeln bis nach Tafraoute durchfahren.

Die Piste von den »Les Peintures« nach Westen zur Strasse nach Tahala ist derzeit mit normalem PKW nicht befahrbar, da sie an einer Stelle weggespült wurde.

Auf der R105 fahren wir auf teils sehr schmaler Bergstrasse mit wenigen Ausweichmöglichkeiten über Âit-Baha und Biougra nach Agadir. Wir haben grandiose Ausblicke in die tiefen und langen Täler. Die Berge schimmern in allen erdenklichen Brauntönen, teilweise ins Rot und Gelb gehend. Die Farben der Häuser passen sich der Gegend an, oder setzen sich bewusst durch farbigen Akzent davon ab.

Gerade auf der Strecke bis Âit-Baha sind wir froh den Berg auf unserer Seite zu haben.

Unvermittelt schießt ein Reisebus um die Kurve und steht uns quasi Stoßstange an Stoßstange gegenüber.

Die geteerte Fahrspur ist kaum breiter als unser Fahrzeug, links geht es ungesichert runter, rechts der Berg.

Wir fahren langsam rückwärts und drücken uns an einer etwas breiteren Stelle so dicht an den Berg, dass wir schon leicht schräg stehen.

Der Reisebus quetscht sich vorsichtig zwischen Abhang und uns vorbei. Wir hätten nicht in dem Reisebus sitzen wollen, da die Ausflügler am rechten Fenster garantiert nur noch den tiefen Talgrund und keine Strasse mehr gesehen haben.

Um Biougra geraten wir wieder in einen leichten Sandsturm, bei dem sogar das Navi öfters seine Orientierung verliert. Wir übernachten ein paar Tage auf dem CP Atlantica Parc, wo wir mit einem »Frühjahrsputz« den Sand aus dem Fahrzeug bringen wollen. Kleinere Wartungsarbeiten sollen ebenfalls durchgeführt werden.

Danach wollen wir weiter in die Königsstadt Marrakesch.

Bilder

Galerie Naturpark Khnifiss Laguna Naila

Die schon große Galerie des Reiseberichts würde mit weiteren Bildern der Lagune überfrachtet. Den Interessierten sollen diese Bilder jedoch nicht vorenthalten werden, weshalb wir eine eigene Galerie mit Bildern der Lagune Naila eingerichtet haben.

„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen,
wird nie alt werden.“
(Franz Kafka, 1883-1924)