Von British Columbia nach Salt Lake City

Whistler, Vancouver Island, Victoria, Yellowstone NP

Die landschaftlich sehr attraktive »Duffey Lake Road«, wie die #99 ab Lillooet genannt wird, führt uns an den bildschön gelegenen Seen »Seton Lake« und »Duffey Lake« über Pemberton nach Whistler.

Kanadas bekanntes Wintersportgebiet um Whistler ist 2010 Austragungsort der Olympischen Spiele.

Die herausgeputzte und aufgeräumte Innenstadt lässt sich gut mit Oberstdorf vergleichen.

Von Whistler bis Vancouver wird die #99 »Sea to Sky Highway« genannt und für die Olympischen Spiele massiv ausgebaut, was endlose Baustellen mit sich bringt.

Etwas nördlich von Vancouver liegt der Ort Horseshoe Bay, von dem wir die Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island nehmen.

Von Nanaimo folgen wir dem TCH (Trans Canada Highway), den wir ja schon fast vermisst haben, bis in den Süden nach Victoria, der Hauptstadt von British Columbia.

Wir übernachten auf dem relativ teueren West Bay Marina Campground, aber der Preis lohnt sich! Unser Stellplatz ist direkt am Wasser auf der Landzunge an der großen Hafeneinfahrt gegenüber der Innenstadt von Victoria.

Im Hafen herrscht den ganzen Tag ein reges Treiben. Eine Fähre kommt herein, ein Wasserflugzeug steht zum Start bereit, ein anderes landet gerade und dazwischen Ausflugsboote und die kleinen Wassertaxis, die mehrmals am Tag direkt an uns vorbeituckern.

Die dröhnenden Motoren der vor uns startenden und über uns hinweg landenden Wasserflugzeuge stören uns nicht. Im Gegenteil! Die Starts und Landungen sind immer wieder spannend anzusehen.

Sobald es dunkel ist kehrt absolute Ruhe ein und die Lichter der Stadt lassen uns auf ein einzigartiges Panorama blicken!

Die unterschwellige Botschaft der lautstarken Motoren verfehlt ihr Ziel nicht. Bärbel möchte einen Rundflug mit dem Wasserflugzeug machen!

Davon erzählt sie im folgenden Abschnitt selbst:

Schon das Boarding ist eine neue Erfahrung. Über einen schwimmenden Holzsteg werden wir zum Flugzeug gebracht, wo sich unser Pilot Bryan vorstellt.

Mit Hilfe von Bryan klettern wir in den engen Innenraum der schaukelnden Maschine und es wird mir der Kopilotensitz zugeteilt.

Die beiden andern Fluggäste sitzen hinten.

Wir erhalten noch letzte Anweisungen und Erklärungen für den Notfall.

Nun sollen wir die Gurte schließen, die Headsets zur besseren Verständigung aufsetzen und unser Pilot wünscht uns einen angenehmen und guten Flug.

Der Motor der einmotorigen Beaver startet und wir verlassen den Anlegesteg als »Schiff« und schaukeln mit den Wellen langsam zwischen Wasserflugzeugen, Ausflugsbooten und Fährschiffen zur »Startbahn«.

Jetzt wird mir doch etwas mulmig, aber es bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Die Maschine erhält Starterlaubnis und innerhalb weniger Sekunden erreichen wir Schnellbootgeschwindigkeit.

Wir brausen über die Wasseroberfläche, rechts und links peitscht die Gischt an die Fenster und die Nase hebt sich leicht nach oben.

Es ist laut, ruckelt, wackelt, riecht nach Treibstoff und schon heben wir ab. Wir steigen in einer steilen Linkskurve und erreichen nach kurzer Zeit unsere Flughöhe.

Aus der Vogelperspektive hat man einen unbeschreiblichen Ausblick auf die Küstenlinie von Vancouver Island, das Stadtgebiet von Viktoria, die Strasse von Juan-de-Fuca und die hohen, schneebedeckten Olympic Mountains im Nachbarstaat USA.

Weiter fliegen wir über kleine Inseln, den Buchart Garden und das Villenviertel von Viktoria.

Zurück geht es über grüne Wälder, blaue Seen und viel zu schnell erreichen wir wieder die Hafenbucht von Viktoria.

Die Maschine geht in den Sinkflug, überraschend flott berühren die Kufen die Wasseroberfläche und es erfolgt eine kaum merkbare Landung.

Erneut peitscht die Gischt an die Fenster, doch wir werden zunehmend langsamer und schwimmen vom Hafenbecken zu unserem Anlegeplatz.
Ein unvergessliches Erlebnis!

*****

Wir gehen einkaufen, bummeln durch die Stadt, besuchen das lehrreiche »Royal British Columbia Museum« und fahren auf dem Scenic Marine Drive der Küste entlang durch die besseren Wohngegenden.

Dabei stoppen wir auch am »Mile 0« Schild im Beacon Hill Park, dem offiziellen Beginn des Trans Canada Highway, dem wir seit Halifax schon oft gefolgt sind. Das Schild bereitet uns auch auf den bevorstehenden Abschied von Kanada vor.

Wir entscheiden uns direkt von Victoria mit der internationalen Fähre nach Port Angeles in die USA einzureisen. Durch diese Änderung fallen leider die Besichtigung von Vancouver und der Besuch von Bekannten im Okanagon Valley – die wir in Marokko kennengelernt haben – aus.

Natürlich wollen wir auch mehr von Vancouver Island sehen und fahren deshalb nach Norden zurück.

Die Attraktion von Duncan sind die in der Stadt aufgestellten 80 Totempfähle und für uns ein deutscher Bäcker. Hier wird uns erklärt, dass ab sechs Stück desselben Kuchens die Steuer entfällt, das sei Gesetz! Ah ja!?

Entweder ist die Verkäuferin besonders geschäftstüchtig oder es gibt tatsächlich Steuergesetze, die wir nicht verstehen müssen.

In Chemainus hat man viele Fassaden mit großflächigen Wandbildern bemalt, den sogenannten Murals.

Hier treffen wir einen aus Asien stammenden Musiker, der vor 30 Jahren einige Zeit in Hamburg im Hotel »Europäischer Hof« gearbeitet hat und seither in Kanada lebt.

In Duncan, also einen Ort vorher, haben wir schon einen Deutschen aus Schweinfurt getroffen, der auch schon viele Jahre in Kanada lebt und über unser deutsches Nummernschild sichtlich erstaunt war.

Bei Coombs besuchen wir den bekannten Bauernmarkt mit einer Ziegenweide auf dem Dach und fahren weiter bis Port Alberni.

Wir wollen uns in der Nähe den Regenwald anschauen und gehen auf ausgewiesenen Trails durch diese mystisch wirkende Welt.

Auf dem Rückweg nach Victoria bringen uns kurze Wanderungen zu den Wasserfällen im Qualicum Falls PP und im Englishman River Falls PP.

Zum Abschluss besichtigen wir im Westen Victorias noch die Festung »Fort Rodd Hill«, welche bis in die 50er Jahre militärisch genutzt wurde.

Gleich daneben befindet sich der Leuchtturm Fisgard Lighthouse, der seit 1860 in Betrieb ist.

An der Einfahrt zum Fähranleger der M.V. COHO wird die bei der Online-Buchung angegebene Fahrzeuglänge überprüft. Wir zahlen die Passage und dürfen uns in der rechten Fahrzeugschlange anstellen.

Es ist 8:15 Uhr, der US-Zoll kommt ab 9:00 zum Fahrzeug und die Fähre legt um 10:30 Uhr ab. Die Besonderheit ist, dass der US-Zoll auf kanadischem Boden abfertigt.

Der US-Beamte stellt die üblichen Fragen in der Kurzversion und wirft von der untersten Treppenstufe einen flüchtigen Blick in den Aufbau.

Im Büro füllen wir das bekannte grüne Einreiseformular aus, lassen erneut die Fingerabdrücke der Zeigefinger scannen und uns mit der Webcam fotografieren. Obwohl wir diese Prozedur schon einmal hinter uns gebracht haben, ist sie ein zweites Mal erforderlich.

Die Beamtin scherzt, es ist lustig und locker und wir bekommen ohne eine weitere Frage wieder die vollen 90 Tage Aufenthaltserlaubnis. Weitere Info unter Grenzübergänge.

In der »Juan-de-Fuca-Straße« wird die Fähre auf beiden Seiten von einem bewaffneten Schnellboot der US-Küstenwache eskortiert.

Dann taucht kurzzeitig noch ein Hubschrauber der Küstenwache auf. Es ist wie im Film! An der Hafeneinfahrt von Port Angeles drehen die Schnellboote dann ab.

Uns wird ganz mulmig! Ob wir die letzten Meter bis zum Anleger so ganz ohne bewaffneten Begleitschutz noch schaffen!? Glücklicherweise passiert aber nichts und wir können die gefährdete Fähre unbeschadet verlassen.

An der Ausfahrt aus dem Hafengelände findet noch eine kurze Passkontrolle statt. Wir sind in den USA!

Wir besuchen den »Olympic National Park« mit dem über 2400 m hohen Mount Olympus, dem höchsten Gipfel der Olympic Mountains.

Eine kurze Wanderung führt uns zu dem 1913 fertig gestellten »Elwha Dam«, der noch immer der Stromgewinnung dient.

Die Wettervorhersage für den etwa 1.500 km entfernten Yellowstone National Park prognostiziert ab Mitte nächster Woche eine stabile Schönwetterperiode. Darauf haben wir gewartet!

Wir folgen deshalb nicht der Pazifikküste nach Süden durch Oregon/Kalifornien, sondern fahren ins Landesinnere durch Idaho, Montana nach Osten zum Yellowstone NP. Von Wyoming soll es dann über Idaho nach Süden Richtung Salt Lake City in Utah gehen.

Um die »Olympic Peninsula« (Olympic-Halbinsel) nach Osten zu verlassen, nehmen wir von Kingston nach Edmonds die Fähre durch den Puget Sound.

Dann geht es geradewegs durch Seattle auf die I90 , der wir die nächsten 1.100 km über Spokane und Missoula bis nach Bozeman folgen.

In der Nacht hat es leicht geschneit und wir fahren die rund 150 km von Bozeman zum Parkeingang West Yellowstone durch eine wunderschöne »pudergezuckerte« Landschaft.

Der Yellowstone NP wurde 1872 unter Naturschutz gestellt und ist somit der älteste National Park in den USA.

Er ist in den Rocky Mountains gelegen und man bewegt sich durchschnittlich auf einer Höhe von 2000-2500 m. Jetzt im Oktober wird es mit –10°C nachts schon knackig kalt.

Der Park liegt zu großen Teilen in der Caldera des Yellowstone Vulkans, dem wohl bekanntesten Supervulkan unseres Planeten.

Aus diesem Grund gibt es im Park eine große Menge von heißen Quellen, Geysiren und Schlammtöpfen. Überall blubbert, brodelt, zischt und dampft es.

Es ist im wahrsten Sinne ein Tanz auf dem Vulkan, denn für die Geologen ist ein Ausbruch des Vulkans überfällig. Natürlich in geologischen Dimensionen gerechnet!

Wir sehen Bisons, Weißkopfadler, Schwarzwild und Kojoten aus nächster Nähe.

Die teils unwirkliche Landschaft, die tintenblauen Flüsse, die bunten Farben an den Geysiren/Quellen und die unterschiedlichsten Erscheinungsformen der vulkanischen Aktivität begeistern uns so, dass der Yellowstone NP in unserer persönlichen Hitliste schnell einen der vorderen Plätze einnimmt.

Wir lassen lieber Bilder sprechen und habe eine eigene Fotogalerie für den Yellowstone National Park angelegt

Weiter geht es zum Grand Teton NP, der sich am südlichen Ausgang des Yellowstone NP anschließt.

Durch den Park verläuft die zu den Rocky Mountains gehörende Teton Range, eine Bergekette, deren höchster Berg »Grand Teton« fast 4.200 m hoch ist.

Durch endlos weite Prärien machen wir einen Abstecher durch Idaho zum Craters of the Moon National Monument.

Dabei handelt es sich um eine vulkanische Landschaft mit breiten Lavaströmen, einigen Vulkankegeln und interessanten Höhlen.

Danach geht es Richtung Süden nach Utah zum Great Salt Lake, dem großen Salzsee.

Auf der größten Insel im Salzsee befindet sich der Antilope Island State Park, den wir über eine lange Dammstraße erreichen.

Bei herrlichem Wetter mit Temperaturen um die 20°C übernachten wir auf dem schön gelegenen und sehr ruhigen Campground mit Blick auf den See.

Es ist kaum Betrieb und das nächste Fahrzeug steht vielleicht 100 m von uns entfernt.

Abends werden wir mit traumhaften Sonnenuntergängen belohnt, morgens durch das Geheul eines Kojoten geweckt.

Beim Frühstück sind freilaufende Bisons keinen Steinwurf vom Fahrzeug entfernt.

Wir erreichen Salt Lake City, die Hauptstadt der Mormonen, wo sie sich nach beschwerlicher Reise einst niedergelassen haben, um diese Stadt zu gründen.

Bilder

„Das einzig Gefährliche am Fliegen ist die Erde.“
(Wilbur Wright, 1867-1912)